Hundepflege: Was dein Hund braucht – und wie oft

Frau sitzt mit einem Golden Retriever im Wohnzimmer
Foto: Adobe / Louis-Photo

Gute Pflege ist kein Schönheitsprogramm, sondern Vorsorge: Zähne, Ohren, Krallen und Haut sind die Stellen, an denen die häufigsten Beschwerden beginnen. Hier steht, was in welchem Rhythmus zu tun ist, welches Werkzeug zu welchem Fell passt, was besser dem Tierarzt überlassen bleibt – und welche verbreiteten Hausmittel man weglassen sollte.

Der Pflegeplan auf einen Blick

WasWie oftWoher die Angabe stammt
BürstenLanghaar täglich, mittellanges Fell mehrmals pro Woche, Kurzhaar wöchentlichTierklinikverbund PDSA
Badennur nach Bedarf; nicht haarende Rassen etwa alle 6 bis 8 WochenVCA Animal Hospitals
Krallenetwa monatlich, bei wenig Auslauf alle drei WochenVCA Animal Hospitals
Zähne putzentäglichPDSA, Deutscher Tierschutzbund
Ohrennur bei Sekret oder Geruch, nicht routinemäßigVCA, Cornell University
Augennach Bedarf mit feuchtem TuchAmerican Kennel Club
Pfotennach Streusalz und Schnee abspülenAKC, VCA
Analdrüsengar nicht – nur bei Beschwerden, und dann beim TierarztVCA, PDSA

Fell: Das Werkzeug richtet sich nach dem Haar

  • Kurzhaar: Pflegehandschuh oder kurzborstige Bürste, etwa wöchentlich.
  • Langhaar: langzinkiger Kamm mit versetzten Zinken, täglich bis mehrmals pro Woche.
  • Doppelhaar mit Unterwolle: Unterwollharke oder Stahlkamm, Zupfbürste für dichte Partien.
  • Lockenfell: Zupfbürste, dazu regelmäßiges Scheren beim Fachbetrieb.
  • Drahthaar: Trimmen statt scheren. Beim Trimmen wird totes Haar herausgezupft; die Maschine macht das Haar weich und die Farbe blass.

Doppelhaar nicht im Sommer scheren. Das Fell aus Deckhaar und Unterwolle schützt vor Sonne und Nässe; kühler wird der Hund dadurch nicht, denn er reguliert seine Temperatur über das Hecheln. Bei Neufundländern nach dem Scheren war die Hornschicht der Haut messbar dicker und die Talgdrüsenzellen kleiner als bei ungeschorenen Hunden. Vertretbar ist Scheren erst, wenn das Fell so verfilzt ist, dass die Haut darunter nicht mehr trocknet – dann bleiben mindestens 2,5 Zentimeter stehen. Verfilzungen löst man mit der Schermaschine, nie mit der Schere.

Zähne: der am meisten unterschätzte Punkt

Wie verbreitet Zahnerkrankungen sind, hängt davon ab, wie genau hingesehen wird: In britischen Praxen wurde bei 12,5 Prozent der Hunde eine Parodontalerkrankung diagnostiziert – bei gründlicher Untersuchung in Narkose finden Studien dagegen 44 bis 100 Prozent. Erkannt und behandelt wird also nur ein Bruchteil.

  • Täglich putzen wirkt. In einer kontrollierten Studie war tägliches oder jeden zweiten Tag Putzen dem wöchentlichen deutlich überlegen. In einer zweiten Studie schlug tägliches Putzen sowohl Kaustreifen als auch Spezialfutter.
  • Kauartikel sind Ergänzung. Geprüfte Produkte tragen das Siegel des Veterinary Oral Health Council, das nur vergeben wird, wenn zwei unabhängige Studien eine messbare Wirkung zeigen. Der Deutsche Tierschutzbund hält handelsübliche Kaustangen gegen Zahnstein für praktisch wirkungslos – beides passt zusammen: Das Siegel markiert die Ausnahme im Regal.
  • Zahnreinigung ohne Narkose ist keine Alternative. Abkratzen erreicht die Fläche unter dem Zahnfleischrand nicht, Röntgen und Untersuchung sind am wachen Hund unmöglich. Die Tierärztliche Hochschule Hannover nennt die Narkose unerlässlich.
  • Erstes Warnzeichen ist Zahnfleischbluten beim Putzen oder Kauen – es kommt vor jeder sichtbaren Verfärbung.

Welche Bürste, welche Paste und welche Kauartikel infrage kommen, steht im Ratgeber Zahnpflege für Hunde.

Ohren: weniger ist mehr

Ein gesundes, gut belüftetes Ohr braucht keine Extrapflege, sagt die Fachtierärztin für Dermatologie Isabel Bissé. Zu häufiges Reinigen stört die Ohrphysiologie und begünstigt Infektionen. Der Gehörgang des Hundes verläuft L-förmig und ist deutlich länger als beim Menschen – Wattestäbchen schieben Schmalz nach innen und können das Trommelfell verletzen.

Regelmäßig kontrolliert gehören Hängeohren, enge Gehörgänge, stark behaarte Ohren, Schwimmer und Allergiker. Wie häufig eine Ohrentzündung ist, zeigt eine Auswertung von 22.333 Hunden: 7,3 Prozent innerhalb eines Jahres, bei Hängeohren fast doppelt so oft wie bei Stehohren. Mehr dazu im Ratgeber Ohren- und Augenpflege.

Krallen, Pfoten, Augen

  • Krallen sind zu lang, wenn sie im Stand den Boden berühren oder auf Fliesen klicken. Ein Test: Pfote flach auf die Handfläche legen – berühren die Krallen die Hand, muss gekürzt werden. Bei hellen Krallen bleibt man zwei bis drei Millimeter vor dem rosa durchscheinenden Leben, bei dunklen kürzt man in Schritten von ein bis zwei Millimetern. Blutstillpulver gehört griffbereit; Haushaltsscheren quetschen die Kralle und splittern sie.
  • Pfoten nach Winterspaziergängen abspülen: Streusalz trocknet die Ballen aus und wird abgeleckt. Rötung, schmerzhafte Knoten zwischen den Zehen oder Lahmheit sind keine Pflegefrage, sondern ein Fall für den Tierarzt. Siehe Pfotenpflege.
  • Augen säuberst du mit einem feuchten, sauberen Tuch, je Auge mit einer frischen Stelle. Kamille gehört nicht ans Auge: Sie kann allergische Bindehautentzündungen auslösen. Eitriger Ausfluss, Kneifen, Trübung oder plötzliche Lichtscheu gehören sofort untersucht.
  • Analdrüsen entleeren sich beim gesunden Hund von selbst. Routinemäßiges Ausdrücken ist keine Pflege, sondern ein Eingriff – falsches Drücken kann schaden. Anlass ist das Symptom: Schlittenfahren, Lecken, Rötung.

Parasiten: Hier hört die Pflege auf

  • Flöhe: Nur ein kleiner Teil der Population sitzt auf dem Hund, über 95 Prozent leben als Eier, Larven und Puppen in der Wohnung. Deshalb gehören Schlafplatz und Decken dazu – wie das geht, steht unter Hundebett waschen. Die Behandlung des Tieres selbst verordnet der Tierarzt.
  • Zecken mit einer Zeckenzange nahe der Haut fassen und gerade herausziehen. Kein Öl, kein Klebstoff, kein Alkohol – das Robert Koch-Institut warnt ausdrücklich davor. Zecken sind auch an milden Wintertagen aktiv.
  • Milben sind Tierarztsache. Sarcoptes-Milben sind auf den Menschen übertragbar und überleben bis zu drei Wochen im Hundekorb oder in der Bürste.
  • Hausmittel helfen nicht: Für Bernsteinketten und Ultraschall-Anhänger ist keine Wirkung nachgewiesen. Knoblauch und Zwiebeln sind für Hunde giftig, Teebaumöl kann Vergiftungen auslösen – das Bundesinstitut für Risikobewertung hat dazu eigene Fälle dokumentiert.

Wann die Pflege zum Tierarzt gehört

  • Ein Hautproblem, das nach wenigen Tagen nicht abklingt, sowie Blut oder Eiter
  • Quaddeln, Ausschlag oder Schwellung – Verdacht auf eine schwere allergische Reaktion, ein Notfall
  • Kopfschütteln, Ohrgeruch, Ausfluss, Kopfschiefhaltung
  • Mundgeruch, Zahnfleischbluten, Speicheln, Fressunlust
  • Nicht stillbare Blutung an der Kralle, Lahmheit
  • Starker Juckreiz mit Kratzwunden und Krusten
  • Jede plötzliche Veränderung an Auge, Haut oder Geruch

Drei Dinge für die Grundausstattung

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Bürste passend zum Felltyp

  • Unterwollharke für Doppelhaar
  • Zupfbürste für Locken
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Quellen